Queeres Leben und Lieben feiern
Literatur
Unsere aktuellen literarischen Empfehlungen zum Pride Month erzählen von Begehren, Aufbruch und dem Mut, sich nicht passend zu machen. In Laura Dürrschmidts »Sommer der schlafenden Hunde« geraten Lena, Trice und Sascha in eine intensive Beziehungskonstellation aus Liebe, Wut und Abhängigkeit – ein Coming-of-Age-Roman über toxische Dynamiken, lesbisches Begehren und jugendliche Rebellion. Adelaide Faiths »Happiness Forever« erzählt mit leiser Komik von Sylvie, die sich in ihre Therapeutin verliebt und versucht, mit ihrem lädierten Hund und ihren großen Gefühlen durchs Leben zu kommen. In »Mauerpogo« lässt Sonja M. Schultz, ausgezeichnet mit dem Anna-Seghers-Preis 2026, die DDR der frühen Achtziger vibrieren: Die 14-jährige Jo wird Punk, verliebt sich in ein Mädchen und gerät mit ihrer Sehnsucht nach Freiheit ins Visier der Stasi.
Sachbücher und Essays
Ein Panorama queerer Frauen, die es bis heute zu entdecken gilt: »Eine kurze Geschichte queerer Frauen« ist ein Stück feministischer Geschichtsschreibung, das dabei urkomisch und frech im Ton ist. Kirsty Loehr nimmt Frauen von Virginia Woolf bis Hildegard von Bingen in den Blick. Die taz-Kolumnen von Hengameh Yaghoobifarah sind in »Habibitus« versammelt. Dabei geht es mit viel Witz und Haltung um queeres Begehren, Körper, Kapitalismus, rechten Terror und Popkultur. In »Why We Matter« deckt Emilia Roig die Schnittstellen der Unterdrückung auf und legt dar, wie Rassismus und Black Pride, Homofeindlichkeit, Patriarchat und Feminismus aufeinanderprallen. Und Gianni Jovanovic schreibt in »Ich, ein Kind der kleinen Mehrheit« gemeinsam mit der Journalistin Oyindamola Alashe seine Lebensgeschichte als schwuler Rom nieder, und entwirft dabei eine Vision einer antirassistischen, diversen Gesellschaft.
Populäre Belletristik
In »Cursed« trifft Dark Academia auf queere Romantasy: Vampirjägerin Rebecca kommt undercover an eine Universität in den schottischen Highlands – und verliebt sich ausgerechnet in ihre Mitbewohnerin Aliz, den Spross einer mächtigen Vampirfamilie. Näher an der Gegenwart, aber ebenso mitten hinein in die Wirren von Liebe und Selbstfindung führt »Double Booked«: Mitten im queeren London begibt sich eine junge Musikerin auf die Suche nach der Frage, wer sie ist und wen sie liebt – eine so kluge wie lustige RomCom darüber, was wir wagen müssen, um glücklich zu sein.
Stefanie H. Martin hat mit ihrer Bloomsbury-Saga den Protagonist:innen der legendären und revolutionären Bloomsbury Group ein Denkmal gesetzt. So handeln die Bücher der Reihe von der Ikone der literarischen Moderne Virginia Woolf, ihrer Schwester Vanessa Bell, die bald mit dem homosexuellen Künstler Duncan Grant sinnliche und künstlerische Grenzen auslotet, und auf viele Widerstände stößt, sowie von Vita Sackville-West, deren Verhältnis mit Virginia Woolf diese schließlich zu ihrem populärsten Werk »Orlando« inspirieren soll.