Internationaler Tag der Roma

Romaday am 8. April: Bücher und Aktionen für mehr Bewusstsein und Solidarität

Um die an den Rom:nja und Sinti:zze begangenen Verbrechen nicht zu vergessen und sich mit der größten Minderheit Europas solidarisch zu zeigen, findet jedes Jahr am 8. April der Internationale Romaday statt. Anlässlich des Romaday haben wir eine Auswahl unserer Titel zusammengetragen, die Ressentiments und Stereotype bekämpfen, die Geschichte(n) der Rom:nja und Sinti:zze erzählen und ihre kulturellen Errungenschaften präsentieren.

Erst kürzlich haben wir die Premiere eines Buchs gefeiert, in dem Gianni Jovanovic gemeinsam mit Oyindamola Alashe seine beinahe unglaubliche Lebensgeschichte erzählt. »Ich, ein Kind der kleinen Mehrheit« hat aber auch einen sehr ernsten, politischen Anspruch: mehr Gerechtigkeit und Aufmerksamkeit für die Lage der Rom:nja und Sinti:zze in Deutschland und überall auf der Welt.

»Widerstand durch Kunst« dokumentiert anschaulich das kulturelle Schaffen der Rom:nja mit einführenden Texten über bildende Kunst, Literatur und Musik. In »Everybody's Gypsy« lädt Dotschy Reinhardt ein auf eine Reise durch die Popkultur, zeigt dabei die Errungenschaften der Sinti:zze und Rom:nja in Kunst und Kultur und räumt mit Vorurteilen auf. Über 250 Gedichte von Rom:nja sammelt »Die Morgendämmerung der Worte« - in einer Art und Weise, wie es vorher noch nie geschehen ist. Viele der Gedichte sind hier zum ersten Mal ins Deutsche übertragen.

Auch der unbekannte Teil der bekannten Geschichte kommt zur Sprache. In »Das Kind auf der Liste« recherchiert und erzählt Annette Leo die Ermordung des 16-jährigen Sinto Willy Blum in Auschwitz Birkenau. An die vergessenen Opfer des Holocausts erinnert auch »Das Schwarze Wasser«. Mit eindringlichen Fotografien gibt es Einblicke in die Geschichte der Rom:nja und Sinti:zze, die auch immer eine der Verfolgung war.

 

Romaday 2022 im Aufbau Haus

Im Aufbau Haus, dem Sitz der Aufbau Verlage am Berliner Moritzplatz, befindet sich auch das Bildungsforum gegen Antiziganismus, das am 8. April natürlich ebenfalls aktiv wird.

Unter dem Veranstaltungstitel »Bürgerrechtsbewegung und Bedeutung des 8. Aprils für Jugendliche und deren Erfahrungen im Hinblick auf die Wahrnehmung des Tages« findet am 09.04.22 um 18 Uhr eine Podiumsdiskussion des Amaro Foro e.V. mit musikalischer Begleitung im Aufbau Haus statt. Und noch bis 11.06.22 können Sie, ebenfalls im Aufbau Haus, die Kunstausstellung »Young Romani Artists YRA 22« bestaunen, welche eine Vielfalt an zeitgenössischer Kunst von Rom:nja und Sinti:zze zeigt.

Bücher gegen Antiziganismus

»Wir sind die Kinder der kleinen Mehrheiten. Unsere Stimmen müssen in der Gesellschaft gehört werden.«

Was für eine Geschichte! Gianni Jovanovic hat mit 43 Jahren mehr erfahren als andere in ihrem ganzen Leben: 1978 in Rüsselsheim geboren, erlebten er und seine Familie immer wieder rassistische Anfeindungen. Mit 14 verheirateten seine Eltern ihn. Mit 17 war er bereits zweifacher Vater, Anfang 20 outete sich Gianni Jovanovic als schwul. Inzwischen ist er seit 18 Jahren mit seinem Ehemann zusammen, zweifacher Großvater und die wohl bekannteste Stimme der Rom:nja und Sinti:zze in Deutschland. Gemeinsam mit der Journalistin Oyindamola Alashe erzählt er diese Geschichte einer Selbstermächtigung und entwirft dabei auch seine Vision einer antirassistischen, diversen Gesellschaft. Gianni Jovanovic' Geheimwaffen: Charme und Humor. Besonders auch dann, wenn es weh tut. 

Sinti:zze und Rom:nja und ihr kulturelles Schaffen.

Zum Buch »

Widerstand gegen Diskriminierung und Stereotypisierung durch die Mehrheitsgesellschaft ist in der Kunst zu einer Quelle von Kreativität geworden. So auch in den Künsten und Kulturen der Sinti:zze und Rom:nja. Der vorliegende Band gibt eine profunde Einführung in das heute oftmals noch verborgene künstlerische Schaffen und die kulturelle Selbstbehauptung der größten Minderheit Europas. Ihre Kunst wird zu einer Form des Widerstands gegen jahrhundertelange Verfolgung. Das Buch vereint Grundlagentexte aus den Bereichen bildende Kunst, Literatur, Musik, Tanz, Film, Theater, kontextualisiert durch die Themen Bilderpolitik, Bürgerrechtsbewegung und den Holocaust an den Sinti:zze und Rom:nja. Es ist aus der mehrfach preisgekrönten digitalen Plattform RomArchive hervorgegangen, zu deren reichhaltigem Datenschatz digitale Schnittstellen im Buch verweisen.

Everybody's Gypsy
Empfehlung

Everybody's Gypsy

Popkultur zwischen Ausgrenzung und Respekt
E-Book
12,99 €

Ein sehr persönliches, augenöffnendes Buch.

Dotschy Reinhardt erzählt von der »Gypsy-Kultur« und von den falschen Bildern, die es davon gibt. Sie erklärt, wie sich Sinti:zze und Rom:nja selbstbewusst gegen Ausgrenzung und die Aneignung ihrer Kultur behaupten. Und sie nimmt uns mit auf einen Roadtrip durch die Zentren der Popkultur mit Geschichten über Musik und Mode, Literatur und Kunst, Film, Fernsehen und Alltag.

Der sogenannte Gypsy-Style ist fest in unserem Alltag, vor allem in der Popkultur, verankert. In Musik, Film, Fernsehen, Literatur und Mode bedient man sich gerne bei alten und falschen Klischees, die den »Gypsys« zugeschrieben werden – sie versprechen Freiheit, Sinnlichkeit und Emotionen. Dabei haben Sinti:zze und Rom:nja seit Jahrhunderten auf ganz unterschiedliche Weise unsere Kultur bereichert. Dotschy Reinhardt widmet sich diesen Phänomenen, hat Musiker, Filmemacher, Autoren und andere Kulturschaffende von Berlin bis New York besucht. Sie zeigt wie gelebte Erinnerung zukunftsweisend ist. Und warum man besser kein »Zigeunerschnitzel« bestellt.

Die Lyrik der Rom:nja und Sinti:zze aus aller Welt.

Zum Buch »

Es ist der Ertrag einer jahrelangen Suche in den Antiquariaten und Bibliotheken Europas, das Ergebnis einer literaturwissenschaftlichen Forschung an den Quellen: Die Poesie der Rom:nja und Sinti:zze, Lovara, Kalderasch, Gitanos, Gypsies, Travellers oder Jenischen. Nie zuvor wurde die Vielfalt einer schwer zu fassenden Literatur so umfassend dargestellt. Die Anthologie versammelt über 250 Gedichte von rund 100 Autor:innen.

Fern von jeder Reisewagen-Folklore und »Zigeuner«-Romantik, aber auch ohne den Versuch, eine Leidensgeschichte zu schreiben, kommen hier die Stimmen unterschiedlichster Poeten zu Wort, die vor allem die Zugehörigkeit zu der größten europäischen Minderheit teilen. Ihre Gedichte erzählen Geschichten von Vertreibung, Ankommen und Melancholie, Sehnsucht und Heimweh, sie erzählen – häufig voller Komik – über die Unwegsamkeiten des Alltags, von den Labyrinthen der Bürokratie, von Ablehnung, Angst und Hass, es sind Verse über die Natur, über Pferde, Sterne und natürlich die Liebe.

Das Kind auf der Liste
Empfehlung

Das Kind auf der Liste

Die Geschichte von Willy Blum und seiner Familie
11,00 €

Berührend und unvergesslich: Die Geschichte von Willy Blum und seiner Familie.

Willy Blum war sechzehn Jahre alt, als er in Auschwitz Birkenau ermordet wurde. Von ihm blieb nur ein Name auf einer Liste, neben dem durchgestrichenen Namen Jerzy Zweigs, der durch Bruno Apitz` Roman »Nackt unter Wölfen« weltberühmt wurde. Über Willy Blum und seine Familie wusste man bislang nichts. Annette Leo hat sich auf die Suche gemacht und erzählt die Geschichte der Familie Blum und zugleich auch die Geschichte des Verschweigens einer Opfergruppe in der Nachkriegszeit: die der Sinti:zze und Rom:nja. Mit einem Vorwort von Romani Rose.

Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti:zze und Rom:nja.

Zum Buch »

Bis heute ist das Bewusstsein über den Völkermord an den Sinti:zze und Rom:nja während des Zweiten Weltkriegs in der Bevölkerung kaum vorhanden und es hat lange gedauert, bis das Thema von der öffentlichen Diskussion aufgegriffen wurde. Vor zwanzig Jahren beschloss der Deutsche Bundestag ein Denkmal in Berlin zu errichten, um an den »vergessenen« Holocaust zu erinnern und der verfolgten Minderheit einen Ort des Erinnerns zu geben. Vom Beschluss für das Denkmal bis zu seiner Fertigstellung ist viel Zeit vergangen. Das Buch stellt das Konzept des Denkmals und seine Entstehungsgeschichte kritisch dar und gibt einen Einblick in die Geschichte des Volkes der Sinti:zze und Rom:nja, die immer auch eine Geschichte der Verfolgung war.

Mit einem Vorwort von Romani Rose.