Der neue Roman der British-Book-Award-Gewinnerin Asako Yuzuki

Mit »Butter« gelang Asako Yuzuki der internationale Durchbruch – ein Weltbestseller. Im Interview erklärt die Autorin warum in ihrem neuen Roman »Tokyo Girls Club« ausgerechnet Nilbarsche zur Metapher werden – und was dieses Bild über Frauen in Japan erzählt.

Das Buch erscheint am 11. März.
Tokyo Girls Club
Empfehlung

Tokyo Girls Club

Roman

Hardcover
24,00 €

Ein Roman über Besessenheit, Freundschaft und das langsame Zerfallen zweier Leben

Shoko und Eriko sind zwei sehr verschiedene Protagonistinnen. Shoko ist eine verheiratete Hausfrau und betreibt einen Lifestyleblog, in dem sie von ihrem untypischen Alltag erzählt – von ihrer Vorliebe für Fastfood und davon, wie sie einer Katze gleich in den Tag hineinlebt. Von niemandem lässt sie sich einreden, dass man einen bezahlten Job braucht, um ein vollständiges Leben zu führen. Eriko dagegen hat ihr ganzes Leben auf ihr berufliches Vorankommen ausgerichtet und lebt mit 30 noch bei ihren Eltern. Auch ihr Privatleben unterwirft sie Ordnung und Produktivität – und bekommt dennoch nie die Anerkennung, die sie verdient hätte. Beide Frauen suchen nach einem Lebensentwurf, der ihnen Erfüllung bringt, und erfahren, wie frustrierend das innerhalb enger Normen und Rollenvorstellungen sein kann. Sie entscheiden sich, ihre Sehnsüchte nicht länger hinunterzuschlucken: Sie wollen authentisch sie selbst sein – um jeden Preis.

Asako Yuzuki im Interview

Der enorme Erfolg Ihres Romans »Butter« hat Sie international berühmt gemacht. Was hat sich für Sie als Schriftstellerin dadurch verändert?

Asako Yuzuki
Autor:in

Asako Yuzuki wurde 1981 in Tokio geboren. Sie wurde für ihr Schreiben vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Noma-Verlagskulturpreis.

Als »Butter« 2017 in Japan erschien, stieß das Buch keineswegs auf positive Resonanz. Es gab viele frauenfeindliche Kritiken in den japanischen Medien, in denen Frauen als gefährlich, beängstigend oder nicht vertrauenswürdig dargestellt wurden. Aus Sorge, es könnte zu negativen Auswirkungen für Frauen im Allgemeinen führen, brach ich mit diesem Stoff und wandte mich Themen zu, in denen Frauen sich gegenseitig unterstützen. 

Zitatgrafik aus Interview mit Asako Yuzuki. Text: "Dass »Butter« im Ausland  als feministisches Werk wahrgenommen wurde, hat mich überrascht."

Eine zentrale Metapher in Ihrem Roman sind die Nilbarsche – eine invasive Raubfischspezies, die andere Fischarten ausrotten und ganze Ökosysteme zerstören kann. Welche symbolische Bedeutung hat dieses Motiv?

Der Nilbarsch ist im Grunde ein ganz gewöhnlicher Fisch. Er wird jedoch zum Opfer, weil der Mensch ihn in eine Umgebung gebracht hat, in der ihm nichts anderes übrig bleibt, als um sein Überleben zu kämpfen. Wie bereits erwähnt, ist die japanische Gesellschaft, angefangen bei den Medien, von frauenfeindlichen Diskursen durchdrungen. Daher haben viele Frauen, allein weil sie einem solchen Umfeld ausgesetzt sind, das Gefühl, dass ihr gesamtes Geschlecht und somit auch sie selbst nicht vertrauenswürdig sind. 

Zitatgrafik aus Interview mit Asako Yuzuki. Text: "Im Wesentlichen kann man sagen,  dass die Nilbarsche als Metapher für in Japan lebende Frauen stehen."

Wem würden Sie Ihren Roman »Tokyo Girls Club« besonders empfehlen?

Allen, die eine enge Freundin oder einen engen Freund haben, zu denen der Kontakt abgebrochen ist.

 

Das Interview übertrug die Übersetzerin des Romans, Ursula Gräfe, freundlicherweise aus dem Japanischen.

Surrealismus, Heilung und schnuckelige Cafés – was steckt hinter dem Asien-Hype?

Literatur aus Japan und Korea feiert weltweit Erfolge – von den Spitzenplätzen der Bestsellerlisten bis hin zu internationalen Auszeichnungen. Doch was macht ihre Faszination aus? Wir werfen einen Blick auf die literarischen Stimmen, Themen und Strömungen, die diesen Erfolg prägen. Bei Aufbau und Blumenbar liegt eine ganze Reihe von japanischen und koreanischen Büchern vor – vielfach ausgezeichnete Autorinnen und Autoren, die zur Crème de la crème ihrer Länder gehören. 

Viel Spaß beim Entdecken!