»Jugendliche Rebellion, soziale Abgrenzung und große Not in einem«: Laura Dürrschmidt über ihren neuen Roman

In »Sommer der schlafenden Hunde« erzählt Laura Dürrschmidt eine Liebesgeschichte, die weh tut – und gerade deshalb lange hängen bleibt. Im Interview spricht sie über toxische Dynamiken, Wut, Gewalt zwischen Frauen (und wie selten darüber erzählt wird) – und welchen ziemlich pragmatischen Rat sie ihrer Heldin geben würde.

Das Buch erscheint am 11. März.
Sommer der schlafenden Hunde
Empfehlung

Sommer der schlafenden Hunde

Roman

Hardcover
22,00 €

Was ist das Thema deines Romans? Worum geht es dir darin?

Es ist eine Liebesgeschichte. Mich hat an Liebesgeschichten immer die finstere Seite interessiert. Niemand kann sich gegenseitig so viel antun wie Menschen, die sich lieben.

 

Wie hast du an diesem Text gearbeitet?

Erst lange, wirklich sehr lange eher im Kopf, dann habe ich den Roman innerhalb von 8 Monaten runtergeschrieben.

 

Deine Figuren sind ganz schön schlagkräftig. Haben sie etwas mit dir gemeinsam?

Es gibt natürlich Parallelen, ich bin auch oft wütend. Aber ich bin insgesamt deutlich zurückhaltender und habe zum Glück sehr friedliche Freunde. 

 

Lena, Trice und Sascha sind in ihrer Jugend ziemlich garstig – zueinander und zu anderen – was denkst du, wo das herkommt? Warum verhalten sie sich so?

Sie tragen ja alle drei schon jung eine große Last, und ihr Weg, damit umzugehen, ist Aggression. Die erkennen sie in einander, die eint sie, und die fördern sie gerade auch, weil es sozial inakzeptabel ist.

Zitat aus Interview mit laura Dürrschmidt. Text: "Es ist jugendliche Rebellion, soziale Abgrenzung und große Not in einem."

Ist dein Roman politisch?

Wenn Literatur auf Gesellschaft trifft, wird es immer politisch.

 

Gewalt unter Frauen scheint in der Literatur kein groß beleuchtetes Thema – was interessiert dich daran?

Mich interessieren schwierige, komplizierte Beziehungen, insbesondere zwischen Frauen. Weil Gewalt, zumindest physische, ja eher Männern zugeordnet wird. Ich finde Gewalt aber auch grundsätzlich spannend, weil sie die Leute ganz roh macht, Menschen in ihren Extremen zeigt. 

 

Die Hauptfigur Lena scheint sehr einsam, vielleicht auch, weil sie sich nicht von der Vergangenheit trennen kann. Manchmal würde man sie gerne in den Arm nehmen oder schütteln – welchen Rat würdest du ihr als Freundin geben?

Ich würde ihr sagen: Probier’s vielleicht doch nochmal mit der Therapie, tritt einem Boxverein bei oder so.

 

Portraitfoto Laura Dürrschmidt
Autor:in

Laura Dürrschmidt, geboren 1994 in Seligenstadt am Main, studierte Buchwissenschaft und British Studies in Mainz, wo sie sich auf Typographie spezialisierte.

Und letzte Frage: Neben welchen Büchern würdest du deinen Roman gerne liegen sehen?

Neben guten, natürlich! Spaß – vielleicht neben Büchern über komplexe, ungewöhnliche Menschen, die den Absurditäten ihrer Leben auf interessante Art und Weise begegnen. 

 

Das Interview führte Elisabeth Botros

 

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