Iran verstehen

Ali Fathollah-Nejad ist einer der profiliertesten Iran-Experten hierzulande. In seinem Grundlagenwerk zu Iran, im Januar 2025 bei Aufbau erschienen, analysiert er eindrücklich die blinden Flecken westlicher Iran-Politik – ein Thema, das mit Blick auf die landesweiten Proteste im Land neue Dringlichkeit gewinnt. Dabei zeigt er, welche Folgen die Entwicklungen im Nahen Osten für Deutschland und Europa haben.
Zitat aus Vorwort von Natalie Amiri. Text: "»Ali Fathollah-Nejad legt den Finger in die Wunden der westlichen Iran-Politik!« Natalie Amiri"

Auf die neue Protestwelle in Iran, die das Land seit Dezember 2025 erfasst, reagiert das Regime mit Gewalt, Massenverhaftungen und einer Internetsperre. Die Proteste erinnern an den Beginn der landesweiten Aufstände von 2019 und 2022 und werfen Fragen nach der Stabilität des Regimes auf. Wieder einmal wird deutlich: Die Machtbalance in Iran beeinflusst zunehmend die Sicherheitspolitik, Energieversorgung und gesellschaftliche Debatte in Deutschland und Europa.

Iran – Wie der Westen seine Werte und Interessen verrät
Empfehlung

Iran – Wie der Westen seine Werte und Interessen verrät

Softcover
22,00 €

Ali Fathollah-Nejad beleuchtet in seinem Buch die komplexen Dynamiken und blinden Flecken westlicher Iran-Politik. Der Atomdeal von 2015, gefeiert als diplomatisches Meisterstück, hat lange nicht die erhoffte Wirkung erzielt, sondern vielmehr wesentliche Aspekte wie Irans menschenrechtswidrige Innenpolitik und destabilisierende Regionalpolitik ausgeklammert – mit fatalen Folgen für die internationale Sicherheit.

Ali Fathollah-Nejad zeigt auf, wie Europas Ignoranz gegenüber den internen und externen Gefahren Irans zu den aktuellen Krisen beiträgt. Von Drohnen- und Raketenlieferungen an Russland bis hin zur Unterstützung extremistischer Gruppen – die Auswirkungen sind global spürbar. Gleichzeitig wird deutlich, dass der Westen bisher nicht in der Lage war, eine nachhaltige und wertebasierte Außenpolitik gegenüber Iran zu entwickeln.

»Iran. Wie der Westen seine Werte und Interessen verrät« fordert eine fundierte außen- und sicherheitspolitische Diskussion und argumentiert, dass Werte und Interessen in der Außenpolitik nicht als Gegensatz, sondern als Voraussetzung für nachhaltige Sicherheit betrachtet werden müssen.

Aus dem Vorwort von Natalie Amiri

Porträtfoto Natalie Amiri
Autor:in

Zwischen Perserteppichen und Bio-Gemüse wuchs Natalie Amiri, 1978 geboren, im gutbürgerlichen München auf.

Mehrmals setzte ich an, um dieses Vorwort zu schreiben. Immer wieder veränderte sich die Situation gravierend. Wann den Stift zur Seite legen? Ein Ende hat das Regime nach wie vor nicht genommen. Doch noch nie stand es so mit dem Rücken zur Wand. Selbstverschuldet, sicher nicht durch die deutsche Außenpolitik, die sich eher durch seine Appeasement-Politik hervorgetan hat als durch einen Kurswechsel Richtung Teheran.

War und ist dieses Regime wirklich so mächtig, dass die drittstärkste Wirtschaftsmacht der Welt keine Mittel hatte, es in die Schranken zu weisen? Sich durch Geiseldiplomatie vorführen zu lassen? Die Handelsbeziehungen weiter bestehen zu lassen, trotz der massiven Menschenrechtsverletzungen des Regimes vor den Augen der Welt?

Zitatgrafik aus Vorwort von Natalie Amiri. Teext: "Die Iran-Politik des Westens, die sich jahrzehntelang auf das Prinzip der »autoritären Stabilität« stützte, hat versagt. Angesichts der expansiven und oft destabilisierenden Außenpolitik Teherans ist eine Neuorientierung unumgänglich. Iran steht am Scheideweg."

Dieses Buch zeichnet das Bild eines Landes, das in seinen Grundfesten erschüttert wird – und wie diese Erschütterungen auch Europa und den Westen betreffen. Es erzählt von einer jungen Generation, die sich nach Freiheit sehnt, und von einer Zivilgesellschaft, die fest entschlossen ist, trotz aller Repression für ihre Rechte zu kämpfen. Das Bedürfnis in der iranischen Gesellschaft nach Demokratie, Freiheit und sozialer Gerechtigkeit ist groß.

Zitatgrafik aus dem Vorwort von Natalie Amiri. Text: "Von der »Frau, Leben, Freiheit«-Bewegung bis hin zu den Protesten gegen wirtschaftliche Ungleichheit – das iranische Volk ist längst aufgebrochen, doch der Westen bleibt oft Zuschauer."

Dieses Buch fordert dazu auf, die blinden Flecken der westlichen Iran-Politik kritisch zu beleuchten und eine entschlossenere Haltung zu entwickeln. Durch die Appeasement-Politik des Westens konnte Teheran jahrelang das Bild eines gefährlichen Staates aufrechterhalten. Keiner wagte es, die Mullahs zu provozieren. Denn Teheran wusste genau, was den Westen triggert: Rohstoffabhängigkeiten, Lieferketten und die Angst vor Flüchtlingsströmen. Im Moment sieht es jedoch so aus, dass Irans Strategie nicht aufgeht. Das Kartenhaus der Islamischen Republik wackelt bedrohlich. In Iran tobt ein Machtkampf um die Zukunft. Die Bevölkerung hat sich bereits vor Jahren vom Regime abgewandt.

Zitatgrafik aus dem Vorwort von Natalie Amiri. Text: "er revolutionäre Prozess in Iran, ausgelöst durch den Mut der iranischen Frauen und einer mutigen Jugend, fordert von uns ein Umdenken und verlangt eine Zeitenwende in der Iran-Politik."

Für Abgesänge auf die Islamische Republik ist es wahrscheinlich aber trotzdem noch zu früh. Bisher ist den Mullahs noch immer etwas eingefallen, um am Ende doch zu überleben. Doch die deutschen Handelsbeziehungen zum Regime bleiben bestehen, die Bundesrepublik ist nach wie vor wichtigster Handelspartner des Regimes in Teheran innerhalb der EU. Über die Rolle, die Europa jahrelang nicht eingenommen hat, und darüber, dass es immer noch nicht zu spät ist, eine neue Iran-Politik zu entwickeln und umzusetzen, schreibt Ali Fathollah-Nejad ausführlich in diesem Buch. Er zeigt, warum wir jetzt handeln müssen. Die Zukunft des Landes und seiner Menschen hängt davon ab, ob der Westen bereit ist, die Konflikte und Chancen in Iran mit neuen Augen zu sehen – und endlich aus der Rolle des Zuschauers herauszutreten.

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