15. Nov. 2021

Interview mit Craig Russell zu seinem Roman »Der geheimnisvolle Mister Hyde«

Edinburgh im 19. Jahrhundert. Edward Hyde, Superintendent der Polizei, hat ein Geheimnis: Er leidet an Epilepsie und weiß oft nicht, wie er in eine bestimmte Situation geraten ist. Als er vor einem Toten steht, der nach einem keltischen Ritual ermordet worden ist, muss er sich fragen, ob er selbst der Täter gewesen sein könnte. Craig Russell, preisgekrönter schottischer Thrillerautor, mit seiner Version einer Jekyll-und-Hyde-Geschichte.

Wie sah Ihre erste Idee zu diesem Roman aus?

Edinburgh war meine Heimatstadt – ich bin mit ihrer Geschichte und ihren Legenden aufgewachsen, so wie Robert Louis Stevenson auch. Ein Teil dieser Geschichte war der wahre Fall von Deacon Brodie, der die reale Inspiration für die Figur von Jekyll und Hyde war. Ich bin mir auch der "Kaledonischen Antisyzygie" sehr bewusst – dieser einzigartigen schottischen Eigenschaft, zwei völlig widersprüchliche Konzepte oder Überzeugungen ohne kognitive Dissonanz im Kopf behalten zu können. Und natürlich war Stevensons „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ ein fester Bestandteil meiner literarischen Landschaft. Die Idee zu diesem Buch hatte ich schon seit Jahren im Hinterkopf. Nach dem Erfolg von „Wo der Teufel ruht“ hatte ich den Mut, den Schritt zu wagen und diesen wirklich düsteren historischen Thriller zu schreiben.

Wie haben Sie für dieses Buch recherchiert?

Dieses Buch war insofern anders, als ich mit der Stadt und ihrer Geschichte aufgewachsen bin. Doch als ich recherchierte, fand ich noch mehr heraus – vieles, von dem ich keine Ahnung hatte. Aber wie bei all meinen Romanen waren der Rechercheprozess und der Schreibprozess nicht voneinander getrennt, sondern liefen gleichzeitig ab. Es war eine sehr lohnende Erfahrung.

Gab es wirklich einen historischen Mister Hyde?

Nein, er ist eine reine Erfindung von mir. Einer der engsten Freunde von Robert Louis Stevenson war jedoch William Ernest Henley, der Dichter und Kritiker. Henley war eine große, imposante Persönlichkeit. Außerdem hatte Henley in seiner Kindheit durch Tuberkulose ein Bein verloren. Stevenson gab offen zu, dass Henley die körperliche Inspiration für Long John Silver in „Die Schatzinsel“ war. Aber ich dachte: Wenn Robert Louis Stevenson einen Freund hatte, der ihn zur literarischen Figur des Long John Silver inspirierte, was wäre dann, wenn er einen Bekannten gehabt hätte, der ihn zu (Jekyll und) Hyde inspiriert hätte?

Wie hat Stevensons Roman über Jekyll und Hyde Sie inspiriert?

Ich würde behaupten, dass “Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ fast jeden Krimi- oder Thrillerautor in irgendeiner Weise inspiriert hat. Es ist die endgültige Studie über Gut und Böse in einer einzigen Persönlichkeit.

Was hat Sie am historischen Hintergrund von Edinburgh fasziniert?

Es ist der schiere Reichtum der Geschichte Edinburghs, der mich inspiriert hat. Es ist eine wirklich schöne, aber auch verwunschene Stadt, ähnlich wie Prag oder Venedig.  Die Geschichte ist so vielschichtig, und die Menschen haben so viele Ursprünge, dass es ein Traum für jeden Schriftsteller ist, sie zu erforschen.

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