BAND 096 (1996)

Helle Briefe

Übersetzer:in: Heinrich Conrad
vergriffen

Beschreibung

»Hoch oben schweben und Krallen haben... «*Er war ein zwergenhafter, buckliger Abbé aus Neapel und doch einer der freiesten Geister seines Jahrhunderts. Als er Paris verlassen und in seine Heimat zurückkehren mußte, wäre ihm schier das Herz gebrochen. Aber hatte er ein Herz? Sein Briefwechsel mit Madame d'Épinay läßt diese Frage offen. Aber er ist eins der aufschlußreichsten und amüsantesten Zeugnisse, die uns aus der großen Zeit der Aufklärung geblieben sind.*Mit dem linientreuen Optimismus vieler Zeitgenossen hatte der Abbé freilich nichts im Sinn. Mit seinem skeptischen und zuweilen zynischen Realismus kann er als krassester Antipode Rousseaus gelten. Sich etwas vorzumachen galt ihm als Todsünde des Intellekts. Jeder Heilserwartung begegnete er mit dem Satz: »Wir und unsere Kinder - der Rest ist Träumerei.«*Doch seine Freunde, Diderot und d'Alembert, Holbach und Grimm, vergaß er nie, und seiner Freundin Madame d'Épinay hielt er die zärtlichste Treue. Sie antwortete ihm mit gleicher Münze. Galianis radikale Anthropologie, seine Vorstellung von der Selbstorganisation des Universums, seine politischen und ökonomischen Ideen lesen sich heute wie Vorgriffe auf Theorien der Gegenwart. Nietzsche nannte ihn »den tiefsten, scharfsinnigsten und vielleicht auch schmutzigsten Menschen seines Jahrhunderts«. - »So bin ich eben«, hätte er erwidert, »zwei verschiedene Menschen in einem zusammengeknetet, die aber immer noch nicht ganz soviel Platz einnehmen wie ein einziger«.

Verlag
Die Andere Bibliothek
Erscheint
Juni 1996
ISBN
978-3-8218-4096-3
Format
Originalausgabe
Anzahl Seiten
360
Bandnummer
096
Sprache
Deutsch

Urheber:innen