BAND 190 (2003)

Die Strasse der kleinen Ewigkeit

Ein Roman aus dem Berliner Scheunenviertel
Autor:in: Martin Beradt
vergriffen

Beschreibung

»Es gibt in Deutschland einen großen Dichter, der völlig vergessen ist«, schrieb Hanno Kühnert 1990 in der Zeit. Viel hat sich bis heute nicht daran geändert. Von Martin Beradt haben die wenigsten gehört.*1881 ist dieser Autor als Sohn einer orthodoxen jüdischen Familie in Magdeburg zur Welt gekommen. Bis 1939 lebte er als Anwalt in Berlin; in letzter Minute gelang ihm die Flucht nach London und New York. In seinem Gepäck versteckt konnte er das Manuskript seines Hauptwerkes retten, an dem er, wie er selbst sagte, zwanzig Jahre lang gearbeitet hat. Halb erblindet ist Beradt 1949 gestorben. Einen Verleger hat sein Roman erst sechzehn Jahre nach dem Tod des Autors gefunden, und auch Joachim Mackensens verdienstvoller Neuedition von 1993 war kein großes Echo beschieden.*Heute ist das Buch verschollen wie die Welt, von der es handelt. Das Berliner Scheunenviertel, heute im falschen Glanz der Nostalgie ein Treffpunkt der Szene, war in den zwanziger Jahren die Zuflucht der armen jüdischen Einwanderer aus Osteuropa. Zionistische Vereine, hebräische Buchhandlungen, Talmudschulen und Synagogen Tür an Tür mit Kaschemmen, Puffs und Trödlerläden - niemand hat dieses Großstadtghetto zärtlicher und unbeschönigter beschrieben als Martin Beradt. Stets bedroht von Razzien, Plünderungen und Rollkommandos lebte das Scheunenviertel schon in den zwanziger Jahren im Schatten seiner bevorstehenden Auslöschung, und heute liest sich jede Zeile des Romans, mit Günter Kunerts Worten, wie ein unheimliches Menetekel.

Verlag
Die Andere Bibliothek
Erscheint
Juli 2003
ISBN
978-3-8218-4190-8
Format
Originalausgabe
Anzahl Seiten
376
Bandnummer
190
Sprache
Deutsch

Urheber:innen