BAND 138 (1999)

Denkende Wollust oder Die sexuelle Aufklärung der Aufklärung

Zwei Romane aus dem 18. und ein Essay aus dem 20. Jahrhundert
Übersetzer:innen: Eva Moldenhauer, Jens Hagestedt
vergriffen

Beschreibung

Ist Sex gut fürs Denken? Ist Pornographie langweilig? Gefährlich? Harmlos? Frauenfeindlich?*Robert Darnton behauptet: »Wie die meisten verbotenen Früchte hat sie als Nahrung fürs Denken gedient. Sex ist für gewöhnliche Menschen vom selben Nutzen wie die Logik für die Philosophen. Nie war diese Wirkung mächtiger als im Goldenen Zeitalter der Pornographie, von 1650 bis 1800, vor allem in Frankreich«.*Seine Thesen entfaltet Darnton an Hand von zwei Klassikern des Genres: der Geschichte des Dom Bougre (1740) und der Thérèse philosophe (1748). Die Nähe der beiden Romane zur Philosophie ist auffallend. Ein Jesuit predigt der arglosen Thérèse eine radikale Version des Cartesianismus; ihre weiteren Abenteuer führen sie in die Ideen von Helvétius, Diderot und Holbach ein.*Natürlich handelt es sich dabei um Männerphantasien. Dennoch waren diese Geschichten eine Herausforderung an das Ancien régime. Im Dom Bougre wird die »Gefangenschaft« angeprangert, »in der die Frauen gehalten werden«; der Autor macht sich über die Höllenangst vor der Masturbation lustig, und im Finale der Erzählung triumphiert die Liebe sogar, ungewöhnlich genug, über Syphilis und die Kastration des Helden...*Spekulation auf die berüchtigten »niederen Instinkte«, antiklerikale Polemik, sexuelle Aufklärung und emanzipatorisches Interesse gehen in diesen Bestsellern des 18. Jahrhunderts eine schillernde Mischung ein. Dem heutigen Leser eröffnen sie den Blick in eine fremdartige und bizarre Welt. Wer will, mag sich über ihre Zweideutigkeit empören oder amüsieren; unbedeutend sind sie nicht.*Eva Moldenhauer hat die heiklen Texte mit viel Sensibilität und Bravour neu übersetzt.

Verlag
Die Andere Bibliothek
Erscheint
Dezember 1999
ISBN
978-3-8218-4138-0
Format
Originalausgabe
Anzahl Seiten
346
Bandnummer
138
Sprache
Deutsch

Urheber:innen