BAND 124 (1999)

Auslegung der Gemeinplätze

Autor:in: Léon Bloy
Übersetzer:in: Hans-Horst Henschen
vergriffen

Beschreibung

Ätzendes Christentum*Eines der großen Themen dieses Buches, die Armut, steht heute wieder auf der Tagesordnung. Aber Léon Bloy war kein linker Agitator, sondern ein religiöser Extremist. Darin erinnert er an Kierkegaard. An Flaubert gemahnt sein wütender Haß auf die Dummheit. Dort nämlich, wo Stumpfsinn und Gemeinheit Fleisch geworden sind, beim Gemeinplatz, setzt sein Angriff auf die bürgerliche Gesellschaft an.*»Armut schändet nicht.« - »Man muß mit der Zeit gehen.« - »Geschäft ist Geschäft.« - »Man kann nicht alles haben.« - »Der Mensch denkt, und Gott lenkt.« - »Geld stinkt nicht.«*Einhundertdreiundachtzig solcher Phrasen unterzieht Léon Bloy einer ätzenden Exegese. Dabei tritt nicht nur eine unheimliche Komik zutage, sondern auch eine bodenlose Wahrheit: »Die banale Rede, ewig wiedergekäut von Idioten, bekräftigt deren Nichtigkeit auf wunderbare Weise, und eben darin liegt ihre göttliche Kraft«. Jenseits der Polemik findet Bloy im Müll der Sprache eine Art Offenbarung ex negativo, ein skandalöses Geheimnis. Dieses religiöse Denken führt nicht zur Versöhnung, sondern zur Zuspitzung der Widersprüche. Hier zeigt sich, daß ein radikal verstandenes Christentum einen Blick auf die menschliche Gesellschaft eröffnet, der nicht erbaulich, sondern böse ist. Mit seiner furiosen Entzifferung des Alltäglichen stellt Léon Bloy jeden politischen Brandredner in den Schatten.

Verlag
Die Andere Bibliothek
Erscheint
September 1999
ISBN
978-3-8218-4124-3
Format
Originalausgabe
Anzahl Seiten
384
Bandnummer
124
Sprache
Deutsch

Urheber:innen