04. Apr. 2022

»Alma & Gropius«: Die Liebesgeschichte zwischen der größten Femme fatale ihrer Zeit und dem Gründer des Bauhaus.

In ihrem neuen Roman „Alma & Gropius – Die unerhörte Leichtigkeit der Liebe“ erzählt Autorin Thérèse Lambert die Geschichte der Liebe zwischen der legendären Femme fatale Alma Mahler und Walter Gropius, dem Gründer des Bauhaus. Hier spricht sie über die Faszination einer echten Amour fou, ihre Recherche und die Schwierigkeiten beim Schreiben einer Liebesgeschichte, die auf historischen Tatsachen beruht.

Was ist das Besondere an der Liebesgeschichte zwischen Alma Mahler und Walter Gropius? Was hat Sie gereizt, diese Geschichte zu erzählen?

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätte sich ein junger Mann einfach in eine gelangweilte Ehefrau verliebt. Doch der zweite Blick lohnt sich: Es ist die große Liebe zweier großer Talente, zwischen zwei Genies, die sich gegenseitig durch ihre Zuneigung, aber auch durch ihre Persönlichkeiten befruchtet haben. Und beide haben eine Menge geleistet, auch wenn das Bauhaus natürlich bekannter ist als die Werke Almas. Aber ich wollte wissen, wie diese faszinierende Frau mit den Zwängen ihrer Zeit umgegangen ist.

 

Mit Alma Mahler haben Sie eine Protagonistin gewählt, die bisweilen recht umstritten ist. Warum haben Sie sich gerade für diese Frau interessiert?

Die »schlechte Presse«, die Alma Mahler zum großen Teil hat, hat mich eher neugierig gemacht. Besonders, als ich festgestellt habe, dass sie oftmals in den Biografien, die Männer über sie geschrieben haben, den Stempel »Femme fatale«  bekommen hat. Ich wollte wissen, was dahintersteckt. Was hat diese Frau gedacht und gefühlt, was hat sie zu ihren Entscheidungen und Handlungen veranlasst? Ich glaube, dass Alma eine sehr talentierte, sehr intelligente und leidenschaftliche Frau ihrer Zeit war, die an den Zwängen, die ihr das Leben und ihre Zeit auferlegt hat, fast zerbrochen wäre.

Alma Mahler hatte viele Affären und Beziehungen mit großen Namen der Geschichte, angefangen bei Gustav Klimt über Gustav Mahler und Oskar Kokoschka bis zu Franz Werfel. Warum hat gerade die gemeinsame Zeit mit Walter Gropius Ihr Interesse geweckt?

In der Zeit, die ich im Roman beschreibe und die mit dem Kennenlernen von Alma und Walter Gropius beginnt, trifft Alma auch Oskar Kokoschka und am Ende auf Franz Werfel. Insofern barg die Auswahl dieser Periode in Almas Leben natürlich die Chance, auch diese Begegnungen zumindest zu streifen und sie in Relation zu ihrer Liebe zu Walter Gropius zu setzen. Was macht die Unterschiede zwischen diesen Beziehungen Almas aus, und warum stellt sich für mich die Beziehung zu Walter Gropius als die ernsthafteste, mutigste, stärkste dar? Diesen Fragen habe ich versucht auf den Grund zu gehen. Zudem scheint diese Beziehung so etwas wie ein Katalysator im Leben der beiden gewesen zu sein. Vorher war Walter Gropius ein junger, zwar ehrgeiziger, aber unbekannter Architekt, am Ende der Ehe mit Alma hat er das Bauhaus gegründet. Welchen Einfluss hat sie auf diese Entwicklung gehabt? Und Alma selbst: Sie war, als sie Gropius traf, in einer Ehe gefangen, die sie sich wohl ganz anders erträumt hatte. Das Komponieren war ihr verboten worden, sie war gezwungen, ihr Talent zu unterdrücken und ihrem Mann Gustav Mahler eine Assistentin und Ehefrau zu sein. Am Ende der Beziehung zu Gropius war sie eine selbstbewusste Frau, die zwar den Traum, zu komponieren, für immer aufgegeben hat, aber so etwas wie die erste Kulturmanagerin geworden ist.

 

Inwieweit wurden Alma und Gropius zum Opfer ihrer Zeit, welche Rollen haben historische Umstände oder Rollenbilder für den schwierigen Verlauf ihrer Ehe gespielt?

Alma war als Frau sehr in den Zwängen ihrer Zeit gefangen, die es Frauen sehr schwer gemacht hat, sich künstlerisch zu verwirklichen. So hat sich Alma schweren Herzens gegen das Komponieren entschieden, auch wenn ich glaube, dass sie die Hoffnung, sich doch noch in der Musik auszuleben, zuerst nicht aufgegeben hatte. Doch Alma hat ein Genie geheiratet, Gustav Mahler, der ihre Gabe und ihren Geist nur zu gern für seine eigene Entwicklung genutzt hat. Natürlich darf man dabei nicht vergessen, dass auch sie Vorteile aus der Verbindung mit dem großen Komponisten hatte, sowohl materieller als auch intellektueller Natur.

Dazu kommt, dass ein großer Teil der Beziehung der beiden vom Ersten Weltkrieg überschattet wurde. Walter Gropius war fast vom ersten bis zum letzten Tag des Kriegs an der Front. Auch dieses Erlebnis, eigentlich ist es ein Trauma, hatte natürlich großen Einfluss auf die Beziehung und die Ehe von Alma und Walter Gropius.

Im Roman erleben wir die Liebesgeschichte sowohl aus Almas als auch aus Gropius‘ Perspektive. Haben Sie sich einer Figur besonders nah gefühlt, beziehungsweise welche Perspektive fiel Ihnen leichter?

Eigentlich denkt man ja, dass einer Autorin die weibliche Perspektive leichter fallen muss. Und es war sicher nicht einfach, sich in den Mann Walter hineinzuversetzen, der zugleich um seine Ehe kämpft wie in einem Krieg, der ihm schon bald sinnlos erschienen sein muss.

Alma ist eine so vielschichtige und faszinierende Frau, dass ich schon eine sehr intensive Auseinandersetzung mit ihr, ihren Gefühlen und Motiven gebraucht habe, um zu verstehen, wie sie so sein konnte, wodurch sie zu der Frau geworden ist, die sie war. Als Autorin versucht man dann, den Leser:innen die Figur so nahe zu bringen wie es beispielsweise eine beste Freundin wäre.

 

 

 

Wie haben Sie sich dem Thema angenähert? Haben Sie bei der Recherche Überraschungen erlebt, Dinge, mit denen Sie nicht gerechnet hätten?

Oft ist es ja so, dass Lebensberichte, Briefe oder Tagebücher historischer Persönlichkeiten in Buchform vorliegen. Das ist für mich als Autorin natürlich eine, die erste und auch die beste Quelle für Informationen. Dann gibt es Biografien, die man lesen kann, bei denen man aber immer beachten muss, wie und unter welchen Umständen sie entstanden sind. Dann habe ich mich auch gefragt, wie eigentlich das Bauhaus entstanden ist, wer Einfluss auf Gropius ausgeübt hat, welche anderen Einflüsse es gegeben hat etc.

Interessant dabei fand ich, wie wichtig es ist, Quellen unvoreingenommen zu lesen. Zum Beispiel sind bestimmte Tagebucheinträge der jungen Alma immer wieder als Beleg dafür angeführt worden, wie launisch und psychisch instabil sie gewesen sei. Wenn man diese Passagen aber aus weiblicher Perspektive liest, dann könnte man sie – unter anderem wegen ihres regelmäßigen Auftretens – durchaus als Zeichen dafür interpretieren, dass Alma stark unter einem prämenstruellem Syndrom gelitten hat, das sich erst nach der Geburt ihrer Kinder etwas gemildert hat.

Eigentlich ist es im Verlauf jedes Projekts so, dass ich zuerst fasziniert von den Figuren bin. Dann, wenn ich ihnen ein wenig mehr auf die Spur gekommen bin, gibt es eine Phase, in der wir uns miteinander auseinandersetzen müssen, in der ich ihnen noch näherkommen muss, um sie zu verstehen und dann als Schriftstellerin in ihre Köpfe zu kriechen. Am Ende habe ich meine Figuren mit allen Ecken und Kanten sehr liebgewonnen, wie jetzt auch Alma und Gropius.

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