Zwei Frauen und ihre Suche nach innerer Freiheit: Lisa Quentin über »Die Bernsteinfischerin«

Was erzählt ein uralter Stein über unsere Zeit?
Lisa Quentin geht dieser Frage in »Die Bernsteinfischerin« nach – einem Roman über Erinnerung, Verlust und Hoffnung.

Im Mittelpunkt steht Julika, eine Bernsteinforscherin, die in vergangene Welten eintaucht, während ihr eigenes Leben durch die Pflege ihrer kranken Mutter stillzustehen scheint. Ein außergewöhnlicher Bernsteinfund führt sie an die Ostsee, zu der Künstlerin Ebba – und zu einer Liebesgeschichte, die Jahrzehnte, Stürme und Schicksalsschläge überdauert hat.

Lesen Sie hier, was die Autorin beim Schreiben bewegt hat, und was ein uralter Stein von unserer Sehnsucht erzählt, die Zeit für einen Moment festzuhalten.
Die Bernsteinfischerin
Empfehlung

Die Bernsteinfischerin

Roman

Hardcover
22,00 €

Liebe Leser:innen,

bevor ich mit der Arbeit an diesem Roman begonnen habe, spielte Bernstein keine besonders große Rolle in meinem Leben. Es war der ausgestorbene Beruf des Bernsteinfischers, der mein Interesse weckte und die Idee zu diesem Buch entstehen ließ. 

Doch je intensiver ich mich mit dem fossilen Harz, seiner schillernden Kulturgeschichte, den düsteren Legenden und seiner wissenschaftlichen Bedeutung beschäftigte, umso mehr spürte ich, dass es da eine Symbolik gab, die mich tief berührte.

Porträt von isa Quentin am Strand bei Abendsonne

Als Frau in den Vierzigern, als Mutter, Tochter und Freundin ist mein Leben einem ständigen Wandel unterworfen: Drei Kinder, die viel zu schnell groß werden. Alternde Eltern. Gesundheit, die plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist. Beziehungen, die sich verändern, ohne, dass ich benennen kann, warum. Krankheiten und Verluste in meinem Freundeskreis. Dazu eine Welt, die immer weniger Gewissheit bietet. Nicht selten möchte ich die Zeit anhalten, um durchzuatmen, all das zu begreifen und bewältigen zu können. 

Zitat aus Leser_innenbrief von Lisa Quentin. Text: "Bernstein vereint für mich all das. Da ist das unfassbare Glück, das in der Schönheit des Augenblicks liegt. Die Hilflosigkeit, dieses Glück nicht festhalten zu können. Die Trauer des bevorstehenden, unausweichlichen Verlusts. Und nicht zuletzt die Hoffnung, die die Konservierung der urzeitlichen Inklusen beinhaltet, da sie all die Zeit überdauert haben, bis heute existieren."

In meinem Roman »Die Bernsteinfischerin« begegnen sich die junge Forscherin Julika und die fast 90-jährige Ebba, die zurückgezogen an der Steilküste der Lübecker Bucht lebt. Julika flüchtet sich in die erstarrten Urzeitwelten unter dem Mikroskop, um dem erdrückenden Gefühl des Verlusts zu entgehen, der nach einem Schicksalsschlag ihr Leben bestimmt. Ebba hingegen widmet sich dem Bernstein künstlerisch und drückt in den Bildern und Collagen, die sie mit ihm gestaltet, all die Verzweiflung, Wut und Einsamkeit aus, die sie als kinderlose Frau erfahren hat. Zwischen den beiden Frauen unterschiedlicher Generationen entsteht eine zarte Verbindung, die sie beide wachsen lässt und die sich letztlich als stark genug erweist, ihr Leben zu verändern.

Zitat aus Leser_innenbrief von Lisa Quentin. Text: "In meinen Geschichten möchte ich Frauen zeigen, die trotz Care-Arbeit und trotz den Restriktionen ihrer Zeit in der Lage sind, ihr Leben zu gestalten und eigene Wege zu gehen."

Beim Schreiben und der Auseinandersetzung mit den beiden Figuren beschäftigten mich immer wieder Fragen wie diese: Führen wir das Leben, das wir selbst gewählt haben? Oder versuchen wir nur, die Erwartungen anderer zu erfüllen? Wie können wir uns treu bleiben und trotzdem in Einklang mit unseren Liebsten? Wie gelingt Nähe im Miteinander, wie Vertrauen zu anderen Menschen? Und was bleibt von uns, wenn wir nicht mehr sind? 

Zitat aus Leser_innenbrief von Lisa Quentin. Text: "Nie war die Welt einem rasanteren Wandel unterworfen als heute. Ich würde mir wünschen, liebe Leser:innen, dass mein Roman es Ihnen möglich macht, für eine Zeitlang innezuhalten, sich zu öffnen für die Widersprüchlichkeit des Menschseins, für die überwältigende Schönheit der Natur, und vielleicht gestärkt, bestimmt getröstet in Ihren Alltag zurückzukehren."

Auf Ihre Leseeindrücke, Fragen und Gedanken bin ich sehr gespannt und freue mich auf den Austausch mit Ihnen. 

 

Herzlich

Ihre Lisa Quentin

Lisa Quentin über »Die Bernsteinfischerin«