Roma Day am 8. April: Bücher und Kunst für mehr Bewusstsein und Solidarität
Zum Roma Day 2026 haben wir Bücher versammelt, die Ressentiments und Stereotype abbauen, Geschichte(n) erzählen und kulturelle Errungenschaften feiern.
Zudem stellen wir die Ausstellung »LA FINESSE . GODI – Śuźipe – ZOR« der Stiftung Kai Dikhas im Aufbau Haus vor, mit der die Stiftung Kunst von Rom:nja und Sinti:zze sichtbar macht und fördert.
Der Roma Day im Aufbau Haus
Im Aufbau Haus, dem Sitz der Aufbau Verlage am Berliner Moritzplatz, hat auch die Stiftung Kai Dikhas ihren Sitz, welche die Kunst und Kultur der Rom:nja und Sinti:zze fördert. Kai Dikhas (Romanes: »Ort des Sehens«) wurde 2011 ursprünglich als erste Galerie für zeitgenössische Kunst der Rom:nja und Sinti:zze von Moritz Pankok (Kurator, Regisseur und Bühnenbildner) und Matthias Koch (Geschäftsführer der Aufbau Haus GmbH sowie der Aufbau Verlage) am Berliner Moritzplatz eröffnet. Seitdem wurden in den Galerieräumen in Berlin, aber auch international, über 100 Solo- und Gruppenausstellungen umgesetzt, um die Kunst und Kultur der Rom:nja und Sinti:zze einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Ausstellung »LA FINESSE . GODI – Śuźipe – ZOR«
In den Räumen der Stiftung Kai Dikhas und im Kunstraum Dikhas Dur können Sie noch bis zum 11. April 2026 die Ausstellung »LA FINESSE . GODI – Śuźipe – ZOR« (auf Romanes: Godi – der Geist. Śuźipe – die Schönheit. Zor – die Stärke) besuchen.
- Kurator: Moritz Pankok
- Ausstellende Künster:innen: Daniel Baker, Helios Gómez, Manolo Gómez Romero, Gabi Jiménez, Damian Le Bas, Delaine Le Bas, Lila Loisse, Nihad Nino Pušija, Imrich Tomáš, Alfred Ullrich, G. M. V., David Weiss
- Daten: 11. Dezember 2025 bis 11. April 2026
- Öffnungszeiten: Do - Sa: 16 bis 19 Uhr u.n.V.
- Eintritt: frei
- Ort: Kai Dikhas Stiftung und Kunstraum Dikhas Dur, Prinzenstr. 84.2, 10969 Berlin
Zur Ausstellung:
Während wir derzeit von allen Seiten katastrophale Nachrichten erhalten, kann und muss Kunst mit Haltung eingreifen und Veränderungen in unserem Handeln und unseren Lebensweisen einfordern. Sie kann uns aufrütteln, Schmerz und Verzweiflung Ausdruck verleihen, Missstände sichtbar machen und den Abgründen die nötige Dunkelheit geben.
Mitglieder der Rom:nja und Sinti:zze kennen einen besonderen äußeren Druck: Ausgrenzung, rassistische Angriffe bis hin zum von den Nationalsozialisten verübten Genozid; Armut und Hunger, Flucht, Vertreibung, Deportationen. Im ästhetischen Sinne gibt es keine klar identifizierbare »Roma-Kunst« – vielmehr sind es, gerade angesichts der Internationalität und Vielfalt der Künstler:innen, diese geteilten Erfahrungen, die als gemeinsamer Nenner verbinden.
Beim Blick auf die Kai-Dikhas-Sammlung fällt die besondere Eleganz und Intelligenz vieler Werke auf. Sie tragen all das Genannte in sich und sprechen zugleich von Widerstandskraft: Kunst wird zum Mittel der Selbstbehauptung und der Verteidigung und verleiht der Schönheit der Menschen eine Ausstrahlung, die selbst im Akt der Anklage die Hoffnung auf eine andere Welt bewahrt.
Im Laufe der Jahre ist durch unsere Ausstellungstätigkeit eine umfangreiche, einzigartige Kunstsammlung entstanden, die die Arbeit von Kai Dikhas dokumentiert. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl früherer sowie ganz neuer Erwerbungen der Stiftung.
»Opre Rom:nja! Opre Sinti:zze!« im Grünen Salon der Volksbühne
Zum Roma day am 8. April lohnt sich außerdem ein Blick in den Grünen Salon der Volksbühne in Berlin: Dort laden die im Aufbau Haus ansässigen Organisationen Amaro Drom und Amaro Foro gemeinsam mit weiteren Beteiligten zu »Opre Rom:nja! Opre Sinti:zze!« ein – einem Abend mit Film, Gespräch, Performance und Musik.
Unsere Bücher gegen Antiziganismus
Ich, ein Kind der kleinen Mehrheit
»Wir sind die Kinder der kleinen Mehrheiten. Unsere Stimmen müssen in der Gesellschaft gehört werden.«
Was für eine Geschichte! Gianni Jovanovic hat mit 43 Jahren mehr erfahren als andere in ihrem ganzen Leben: 1978 in Rüsselsheim geboren, erlebten er und seine Familie immer wieder rassistische Anfeindungen. Mit 14 verheirateten seine Eltern ihn. Mit 17 war er bereits zweifacher Vater, Anfang 20 outete sich Gianni Jovanovic als schwul. Inzwischen ist er seit 18 Jahren mit seinem Ehemann zusammen, zweifacher Großvater und die wohl bekannteste Stimme der Rom:nja und Sinti:zze in Deutschland. Gemeinsam mit der Journalistin Oyindamola Alashe erzählt er diese Geschichte einer Selbstermächtigung und entwirft dabei auch seine Vision einer antirassistischen, diversen Gesellschaft.
Widerstand durch Kunst
Sinti und Roma und ihr kulturelles Schaffen
Eine profunde Einführung in das heute oftmals noch verborgene künstlerische Schaffen und die kulturelle Selbstbehauptung der größten Minderheit Europas
Der vorliegende Band gibt eine Einführung in das heute oftmals noch verborgene künstlerische Schaffen und die kulturelle Selbstbehauptung der Sinti:zze und Rom:nja. Ihre Kunst wird zu einer Form des Widerstands gegen jahrhundertelange Verfolgung. Das Buch vereint Grundlagentexte aus bildender Kunst, Literatur, Musik, Tanz, Film, Theater, kontextualisiert durch die Themen Bilderpolitik, Bürgerrechtsbewegung und den Holocaust an den Sinti:zze und Rom:nja. Es ist aus der mehrfach preisgekrönten digitalen Plattform RomArchive hervorgegangen, zu deren Datenschatz digitale Schnittstellen im Buch verweisen.
Helios Gómez – Die Ästhetik der Revolution
Helios Gómez kehrt zurück nach Berlin
Das Meisterwerk des Ausnahmekünstlers Helios Gómez »Días de ira – Tage des Zorns« neu zugänglich gemacht
Helios Gómez' Werk erzählt aus einer subalternen und aktiven Perspektive den Einbruch des Proletariats in die Geschichte der Bilder. Während der Zeit der Diktatur in Spanien wurde er verfolgt und ging 1927 ins Exil. Er knüpfte Beziehungen zur Dada-Gruppe und den Konstruktivist:innen und studierte moderne Typographie. 1930 wurde sein Meisterwerk »Dias de Ira – Tage des Zorns« veröffentlicht, das Realismus und Abstraktion, radikale Ästhetik und soziales Engagement verbindet. Im Spanischen Bürgerkrieg haben viele spanische Rom:nja auf Seiten der Republik gegen die Faschist:innen unter Franco gekämpft. Unter ihnen war Helios Gómez einer der bekanntesten »Republikaner«.
Die Morgendämmerung der Worte
Moderner Poesie-Atlas der Roma und Sinti
Die Lyrik der Roma und Sinti aus aller Welt, übertragen aus etwa 20 Sprachen
Es ist der Ertrag einer jahrelangen Suche in den Antiquariaten und Bibliotheken Europas und wissenschaftlicher Forschung an den Quellen: Die Poesie der Rom:nja und Sinti:zze, Lovara, Kalderasch, Gitanos, Gypsies, Travellers oder Jenisch:innen. Die Anthologie versammelt Gedichte von rund 100 Autor:innen. Diese erzählen fern von jeder Reisewagen-Folklore, aber auch ohne den Versuch, eine Leidensgeschichte zu schreiben, von Vertreibung, Ankommen und Melancholie, Sehnsucht und Heimweh, von Ablehnung, Angst und Hass, es sind Verse von der Natur, Pferden, den Sternen und natürlich von Liebe.
Everybody's Gypsy
Popkultur zwischen Ausgrenzung und Respekt
Von der »Gypsy-Kultur« und von den falschen Bildern, die es davon gibt
Der sogenannte »Gypsy-Style« ist fest in unserem Alltag, vor allem in der Popkultur, verankert. In Musik, Film, Fernsehen, Literatur und Mode bedient man sich gerne bei alten und falschen Klischees, die den »Gypsys« zugeschrieben werden – sie versprechen Freiheit, Sinnlichkeit und Emotionen. Dabei haben Sinti:zze und Rom:nja seit Jahrhunderten auf ganz unterschiedliche Weise unsere Kultur bereichert. Dotschy Reinhardt widmet sich diesen Phänomenen, hat Musiker:innen, Filmemacher:innen, Autor:innen und andere Kulturschaffende von Berlin bis New York besucht. Sie zeigt wie gelebte Erinnerung zukunftsweisend ist.
Das Kind auf der Liste
Die Geschichte von Willy Blum und seiner Familie
Die Geschichte Willy Blums und zugleich auch die Geschichte des Verschweigens einer Opfergruppe in der Nachkriegszeit: die der Sinti:zze und Rom:nja.
Willy Blum war sechzehn Jahre alt, als er in Auschwitz Birkenau ermordet wurde. Von ihm blieb nur ein Name auf einer Liste, neben dem durchgestrichenen Namen Jerzy Zweigs, der durch Bruno Apitz` Roman »Nackt unter Wölfen« weltberühmt wurde. Über Willy Blum und seine Familie wusste man bislang nichts. Annette Leo hat sich auf die Suche gemacht und erzählt die Geschichte der Familie Blum und zugleich auch die Geschichte des Verschweigens einer Opfergruppe in der Nachkriegszeit: die der Sinti:zze und Rom:nja.