Zum Tag der Befreiung: Eine Studie über die »Nazi-Psyche« und das »Böse im Menschen«

Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg. Während im August 1945 in Berlin der Aufbau Verlag gegründet wurde – man wollte mit den richtigen Büchern dazu beitragen, Katastrophen wie den Zweiten Weltkrieg in Zukunft zu verhindern –, liefen andernorts die Vorbereitungen für die Anklage der Kriegsverbrecher. Jack El-Hais Buch »Der Nazi und der Psychiater«, das aktuell unter dem Titel »Nürnberg« verfilmt wird und diesen Mai in die deutschen Kinos kommt, erzählt von der Begegnung eines amerikanischen Psychiaters mit Hermann Göring – und von dem Versuch, an seinem Beispiel die sogenannte »Nazi-Psyche« und das Böse im Menschen zu verstehen.
Der Nazi und der Psychiater
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Eine Studie über Schuld und Verantwortung

In Vorbereitung auf das im November 1945 eröffnete Verfahren der Nürnberger Prozesse untersuchten amerikanische Ärzte die inhaftierten deutschen Politiker, Militärs und Funktionäre, die in der NS-Diktatur besonders hervorgetreten waren, auf ihre psychische Verfassung. 

Hermann Göring tat sich unter den Gefangenen als besonders dominant hervor. Der leitende Armeepsychiater Douglas M. Kelley war auf der Stelle fasziniert und sah für sich die einzigartige Chance, in umfassenden Gesprächen die »Nazi-Psyche«, das »Böse im Menschen« zu erforschen. 

Jack El-Hai erzählt in »Der Nazi und der Psychiater«, übersetzt von Henriette Heise, von Kelleys Begegnung mit »Reichsmarschall« Hermann Göring. 

Zitat aus "Der Nazi und der Psychater". Text: "Wieso waren diese Männer zu Verbrechern geworden? Hatten sie eine Gelegenheit genutzt, der auch viele von uns nicht hätten widerstehen können? Oder war ihre Neigung zum Bösen angeboren? War ihnen eine psychische Störung gemein – gab es eine Art „NS-Psyche“ –, die ihr Verhalten erklären könnte?"

Das Ende des »Nürnberger Prozess« 1946 jährt sich im Oktober zum achtzigsten Mal und gilt als die Geburtsstunde des modernen Völkerrechts. Im Mittelpunkt der wegweisenden Gerichtsverhandlung vor dem Internationalen Militärgerichtshof, dem Vorläufer des 2002 eingerichteten Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag, stand das Prinzip der individuellen Schuld – ein Bruch mit der Vorstellung, dass allein Staaten für Kriegsverbrechen verantwortlich seien.

Aktuelle Verfilmung

Jetzt wurde der Stoff mit den Oscar©-Preisträgern Rami Malek und Russell Crowe in den Hauptrollen verfilmt. 

  • Produktionsland/-jahr: USA 2025
  • Regie: James Vanderbilt
  • Darsteller: Russell Crowe, Rami Malek, Michael Shannon, Richard E. Grant, Leo Woodall, John Slattery, Andreas Pietschmann, Peter Jordan
  • Kinostart in Deutschland: 7. Mai 2026

 

 

Trailer des Films »Nuremberg«, basierend auf dem Buch »Der Nazi und der Psychiater«, 2014 als Originalausgabe bei der Anderen Bibliothek erschienen
Stalingrad
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Das erste Buch des Aufbau Verlags über und gegen den Krieg

Am 16. August 1945 wurde der Aufbau-Verlag gegründet. Geleitet wurden die Initiatoren von der gemeinsamen Überzeugung, dass man durch die richtigen Bücher dazu beitragen wolle, Katastrophen wie den Zweiten Weltkrieg in Zukunft zu verhindern. Das erste Buch über und gegen den Krieg, das noch im selben Jahr erschien, war Theodor Plieviers Tatsachen-Epos »Stalingrad«. Viele weitere Bücher gegen das Vergessen sind seither gefolgt.

Der Literaturwissenschaftler Carsten Gansel erzählt, wie Theodor Plieviers Roman sofort zum Weltbestseller wurde und warum wir jetzt die Neuausgabe dringend wieder lesen sollten.

Auszug aus dem Nachwort von Carsten Gansel der erweiterten Neuausgabe des Bestsellers von 1945

Gewalt ausstellen: Erste Ausstellungen zur NS-Besatzung in Europa, 1945–1948
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Gewalt ausstellen: Erste Ausstellungen zur NS-Besatzung in Europa, 1945–1948

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Ausstellungen gegen das Vergessen

Schon kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Gewalt der nationalsozialistischen Besatzung in Ausstellungen gezeigt. Der Band »Gewalt ausstellen« erzählt von diesen frühen Versuchen, das Geschehene sichtbar zu machen – in London, Paris, Warschau, Liberec und Bergen-Belsen. Er zeigt, wie über Zerstörung, Opfer, Widerstand und Kollaboration gesprochen wurde und welche Rolle jüdische Überlebende dabei spielten, den Holocaust zu dokumentieren und öffentlich sichtbar zu machen.

Weitere Titel gegen das Vergessen

Bücher gegen das Vergessen im Gespräch

Aktuelle Verfilmung

Jetzt wurde der Stoff mit den Oscar©-Preisträgern Rami Malek und Russell Crowe in den Hauptrollen verfilmt. Regie führte James Vanderbilt. Kinostart in Deutschland ist am 7. Mai 2026.