»Im Scherz darf man bekanntlich sogar die Wahrheit sagen.« – Sigmund Freud
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In der Buchkunstreihe der Anderen Bibliothek geht es in diesem Monat um die Gestaltung von »Freud erzählt einen Witz«. Die Gestalter:innen von 2xGoldstein berichten, wie sie sich dem scheinbar ernsten Freud genähert haben – und wie sich sein Humor, seine Pointen und seine berühmte Couch in ein überraschend spielerisches Buchkonzept übersetzen lassen.
Jörg-Dieter Kogel, Ihre Auseinandersetzung mit Freud führte Sie nicht nur zum Humor, sondern auch nach Italien. La dolce vita – ähnlich wie der Witz – ist wahrscheinlich nicht der erste Gedanke, wenn man den Namen Sigmund Freud hört. Tut man ihm da Unrecht?
JDK: Freud war regelrecht verrückt nach Italien! Wenn er ans Reisen dachte, kam ihm als erste Assoziation »Italien« in den Sinn. Insgesamt reiste er mehr als zwanzig Mal in das Land seiner Träume: als Bildungsbürger, aber auch sinnenfreudiger Genussmensch, der das Dolcefarniente liebte, das süße Nichtstun.
Beim Anblick der leuchtenden Grotte von Capri geriet der Analytiker endgültig ins Schwärmen und wähnte sich im Schlaraffenland. Nach eigener Aussage fühlte er sich an keinem anderen Ort der Welt so wohl wie in Rom, das er allein sieben Mal besuchte und er überlegte ernsthaft, dorthin überzusiedeln.
Christfried Tögel, Freud zieht sich von Beginn an durch Ihre berufliche Biografie. Sie sind neben zahlreichen anderen Publikationen beispielsweise der Herausgeber der Sigmund-Freud-Gesamtausgabe in 23 Bänden. Was hat sie am bisher eher vernachlässigten Thema »Freud und der Humor« noch mal besonders interessiert?
Mich hat immer schon gestört, dass Freud im Wesentlichen als ein sehr ernsthafter Mensch dargestellt worden ist und sein Witz und Humor in so gut wie allen biografischen Darstellungen keine Rolle spielt – außer dass natürlich sein Buch über den Witz erwähnt wird. Aber dass er sein ganzes Leben hindurch witzig war und Humor hatte – bisweilen auch einen ziemlich »schwarzen« – wurde bisher nicht deutlich.
Die letzte Frage geht gern an Sie beide. Haben Sie eine Lieblingsstelle im Buch? Welche ist das und warum?
JDK: Das ist die Stelle, an der Freud seinem Freund und Kollegen Wilhelm Fließ in Berlin schreibt, dass Kaiser Franz Joseph ihn im März 1902 endlich zum außerordentlichen Professor ernannt habe und er die ehrenvolle Erhebung in der Professorenstand lakonisch mit dem Satz quittiert, dass »die Rolle der Sexualität plötzlich von Sr. Majestät amtlich anerkannt, die Bedeutung des Traumes vom Ministerrat bestätigt« worden sei und die »Notwendigkeit einer psychoanalytischen Therapie der Hysterie mit 2/3 Majorität im Parlament durchgedrungen« sei.
CT: Ja, als die Wiener Finanzbehörde Freud verdächtigte, sein Einkommen in der Steuererklärung zu niedrig angesetzt zu haben und ihm schrieb, »da jeder wisse, daß sich sein Ruf weit über die Grenzen Österreichs erstrecke«, antwortet Freud, er fühle »sich sehr geehrt, eine Mitteilung von der Regierung erhalten zu haben. Es ist das erste Mal, daß die Regierung von ihm Notiz genommen hat, und er spricht dafür seine Anerkennung aus. Nur in einem Punkt ist er mit der Mitteilung nicht einverstanden, nämlich, daß sich sein Ruf weit über die Grenzen Österreichs erstrecke: er beginnt an der Grenze.«