Queenie is back! Bestsellerautorin Candice Carty-Williams im Interview

»Queenie« ist ein großer Erfolg gewesen und zu einer richtigen Kultfigur geworden, ähnlich wie Bridget Jones oder Carrie Bradshaw für ihre Generation. Im Gespräch erzählt Autorin Candice Carty-Williams über ihre Lieblingsfigur, die nun in der Fortsetzung »Queenie is working on it« zu uns zurückkehrt.
Queenie is working on it
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Hardcover
24,00 €

Wann und wieso hast du dir überlegt, Queenie nicht in der Schublade verschwinden, sondern sie in dieser Fortsetzung zurückkehren zu lassen?

Ich hatte immer vor, sie irgendwann zurückzubringen, aber ich wollte, dass es zum richtigen Zeitpunkt geschieht. Ich wusste, dass es so weit sein würde, wenn ich ihr Leben wieder wirkungsvoll auf den Kopf stellen konnte. Und es fühlte sich so an, als wäre sie jetzt, in ihren Dreißigern, bereit für das, was das Leben – und ich – ihr entgegenzuwerfen hatten. Mit 33 begann ich selbst, intensiver über Kinder nachzudenken: Wollte ich welche? Was würde es bedeuten, welche zu haben? Warum wollte ich sie? Und natürlich würde ich diese Fragen auch der Figur stellen, die mir am nächsten steht. Queenie war für mich immer auch ein Mittel zum Zweck. Ein Vehikel, um die Fragen zu beantworten, die mich beschäftigen, die Dinge, über die ich mit meinen Freunden und meiner Familie spreche. Denn sie interessiert sich dafür, wie das alles funktioniert.

Grafik mit Zitat aus Interview mit Candice Carty-Williams. Text: „Um ehrlich zu sein: Ich habe sie vermisst, und alle um sie herum. Und ich fand außerdem – und das war entscheidend –, dass es höchste Zeit war, dass sie ein wenig Glück, Freude und eine Liebe erlebt, die sie verdient“

Welches Signal sendest du durch Queenie in die Welt? Was möchtest du den weiblichen Singles da draußen mit auf den Weg geben?

Mein Ziel mit Queenie, als Figur und als Mensch, war immer, wie der Titel der Fortsetzung andeutet, zu zeigen, dass es in Ordnung ist, Dinge im Prozess zu klären. Keiner von uns hat auf alles eine Antwort. Manche von uns sind stählern, manche schlucken Dinge herunter, manche von uns sind gut darin, zu verbergen, wenn etwas nicht stimmt oder verwirrend ist, und viele von uns tragen ihre Probleme nicht in die Welt hinaus oder erzählen sie ihren Freundinnen und Freunden, aber Queenie trägt ihr Herz auf der Zunge. Und sie stellt ständig Fragen. Und sie weiß, dass sie nicht alles, ja nicht einmal das meiste richtig machen kann. Und dafür schämt sie sich nicht. Warum sollte sie auch? 

 Grafik mit Zitat aus Interview mit Candice Carty-Williams. Text: „Meine Botschaft an alle Single-Frauen da draußen, falls ich eine habe, ist, dass wir alle das erste Mal hier sind und dass es in Ordnung ist, die Dinge Schritt für Schritt herauszufinden. Wir werden Fehler machen, na und?“

Warum ist die Welt für Frauen so viel anstrengender? Und auch gefährlicher? Wie können wir das ändern?

Das Leben im Patriarchat war schon immer eine große Herausforderung und wird es auch immer bleiben. Als ich vor langer Zeit im Verlagswesen tätig war, arbeitete eine Kollegin von mir an einem Buch mit dem Titel „Invisible Women: Exposing Data Bias in a World Designed for Men“ von Caroline Criado-Perez. Das Buch erschien 2019, und es enthält Fakten, über die ich bis heute nachdenke. Es ist nicht nur das geschlechtsspezifische Lohngefälle, das uns benachteiligt. Smartphones sind auf die durchschnittliche Handgröße von Männern ausgelegt. 90 % der Tierversuche werden ausschließlich an männlichen Tieren durchgeführt, und die medizinische Forschung konzentriert sich häufig auf den männlichen Körper, was zu Fehldiagnosen bei Frauen führt, deren Symptome davon abweichen. Selbst bei Crashtests werden männliche Testpuppen verwendet, wodurch Frauen bei einem Unfall ein um 47 % höheres Risiko haben, schwer verletzt zu werden, und ein um 17 % höheres Risiko, zu sterben. 

Zunächst einmal müssen wir das Defizit erkennen, in das uns die Welt drängt, um es zurückweisen zu können. Zweitens glaube ich, dass wir Dinge ändern können, indem wir darüber sprechen, unsere Erfahrungen teilen und dann mehr fordern. Soziale Medien haben dabei geholfen, aber wir müssen weitermachen und Wege finden, uns auf persönlicher Ebene für uns selbst einzusetzen.

 

Wie sehr ist Queenie ein Kind ihrer Zeit?

Ich würde sagen, sie ist es und sie ist es nicht. Ihre Augen waren schon immer offen für die Welt um sie herum, und sie ist mit einem ausgeprägten Bewusstsein für ihre Umgebung aufgewachsen, wobei die Gesellschaft sie stets an ihren Platz erinnert hat; aber sie hat auch einige recht altmodische Ansichten, die darauf zurückzuführen sind, dass sie stark von ihren karibischen Großeltern und deren Denkweise geprägt wurde. Karibische Tradition, Religion und die Überzeugungen ihrer Großeltern spielen alle eine Rolle dabei, wie Queenie in der Welt steht. Ich würde sagen, dass sie zwar am Puls der aktuellen Kultur ist und weiß, wie wir dahin gekommen sind, wo wir heute stehen, sich aber langsam von den veralteten Idealen befreit, die ihr aufgezwungen wurden. 

 Grafik mit Zitat aus Interview mit Candice Carty-Williams. Text: „Ich schätze, in den Dreißigern beginnt man erst wirklich zu der Person zu erblühen, die man sein soll. So oder so arbeitet Queenie daran, wieder einmal und für immer.“

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