»Ich musste erst zu der Erkenntnis gelangen, dass ich trotz des Namens schreiben möchte und nicht deswegen.«
Das Buch erscheint am 12. August.
Zeppelin und Karpfen
Roman
Dies ist Ihr Debütroman. Was war der Ausgangspunkt für Ihr Schreiben?
Ich musste erst zu der Erkenntnis gelangen, dass ich trotz des Namens schreiben möchte und nicht deswegen. Als Kind schrieb ich bereits kleine Gedichte und Beobachtungen auf. Gleichzeitig fielen in meinem Umfeld Aussagen wie: Jeder, der Mann heiße, denke, er könne schreiben. Das war nicht gerade ermutigend. Ich schlug zunächst andere berufliche Wege ein. Erst viel später fand ich über einen Aushang zu einem Schreibangebot in einem Community Center. Das Unprätentiöse daran ermöglichte mir den Wiedereinstieg im Erwachsenenalter. Das Schreiben wurde mein Ventil, um die hitzige Energie meines Arbeitsumfelds abzulassen. Diese Lebensphase stellt den Ankerpunkt für mein Schreiben dar, auch wenn es bis zum Debüt noch etwa zehn Jahre dauerte.
Als Sie den Roman angefangen haben, wussten Sie da schon genau, wovon er handeln würde?
Ich hatte bereits viel Rohmaterial vorliegen, verschiedene Szenen, die mich selbst amüsierten oder ergriffen. Mit der Zeit merkte ich, welche Atmosphäre ich transportieren wollte und wodurch sich die Charaktere auszeichnen sollten. Der Inhalt meines Romans hat keinen autobiografischen Anspruch.
Sie schreiben über drei Generationen von Frauen anhand von drei weiblichen Hauptfiguren, die jeweils ihre ganz eigenen Themen und Abgründe haben. Was verbindet sie miteinander, abgesehen von ihrer Verwandtschaft?
Ich liebe den Witz und die märchenhafte Erzählweise, die ich von zu Hause kenne und die osteuropäisch geprägt ist. Daher habe ich auch alle drei Generationen mit einer Prise davon ausgestattet. Jede von ihnen bewältigt ihr Ankommen in Deutschland auf unterschiedliche Art und ist von anderen geschichtlichen Ereignissen betroffen, aber alle schlagen sich auf ihre eigene Weise durch.
Im Verlauf des Romans verschwindet nicht das Kind, sondern die Großmutter, und die Familie sucht nach ihr. Was ist der Grund für ihr Verschwinden?
Für eine Integration in Deutschland ist Nina zu alt und zu anders geprägt. Sie lebt in einem viel zu großen Haus, in dem sie eigentlich nur noch ausharrt. Aber sie weigert sich, ihren Lebensabend einfach über sich ergehen zu lassen und bricht tatsächlich noch einmal auf. Diesmal entscheidet sie selbst über die Richtung: zurück zu dem Ort ihrer Kindheitserinnerungen. Und ihre Familie reist ihr hinterher.
Das Kunstwerk vom Buch-Cover hängt jetzt in Hannah Manns Wohnung
Die Autorin erwarb das auf dem Cover ihres Debütromans abgebildete Werk »Dreamcatcher« der Künstlerin Veronica Wells.
»Die Diskussion darüber, was gute Kunst ist, spielt eine Rolle in meinem Roman und spiegelt sich in dem Bild wider, wie auch die Reise der weiblichen Figuren. Ich finde es schön, dass es das Covermotiv tatsächlich als haptisches Kunstwerk gibt. Es wird mich nun immer an diesen besonderen Moment erinnern, als ich mein Debüt veröffentlicht habe.«
Hannah Mann